Altersvorsorge – wie weiter?

Enttäuscht verliess ich letzten Oktober das Bundeshaus – und dies obwohl wir einen Monat zuvor erfolgreich die Altersvorsorge 2020 an der Urne versenken konnten. Bundesrat Alain Berset lud Gewinner und Verlierer der Vorlage an einen runden Tisch in Bern – darunter auch zwei Vertreter von uns Jungfreisinnigen. Doch schnell wurde mir klar, dass das Treffen mehr den Medien als einer echten Lösung dienen sollte.

Während rund vier Stunden lasen die einzelnen Parteien nacheinander ihre Stellungnahmen ab. Diskussion? Fragen? Fehlanzeige. Das (traurige) Highlight waren Vertreter vom linken Rand. Die forderten doch tatsächlich eine Senkung (!) des Rentenalters für Frauen auf 58. Ideologie statt langfristige Lösung schien die Devise.

Die AHV 21 löst die Probleme nicht

Entsprechend ernüchternd fiel dann auch die AHV 21 (die Neuauflage der Altersvorsorge 2020) aus, die Bundesrat Berset diesen Frühling vorstellte. Denn eine langfristige Lösung, die die strukturellen Probleme behebt, sucht man auch in dieser Vorlage vergeblich. Mit einer massiven Erhöhung der Mehrwertsteuer sollen die Probleme kaschiert und einige wenige Jahre in die Zukunft verschoben werden.

Das Frustrierende dabei: Eigentlich ist jedem Politiker klar, was getan werden müsste. Nur wagen es nur wenige auszusprechen: Wir müssen länger arbeiten. Die Lebenserwartung steigt Jahr für Jahr um rund zwei bis drei Monate. Also ist völlig klar, dass die Finanzen aus dem Lot geraten, wenn wir nicht auch etwas länger arbeiten.

Unsere Lösung: Länger arbeiten muss attraktiver werden

Etwas länger arbeiten heisst für uns Jungfreisinnige: einen Monat pro Jahr. Würden wir das Rentenalter ab 2021 pro Jahr um einen Monat erhöhen, läge es im Jahr 2030 bei 65 Jahren und 10 Monaten und im Jahr 2040 bei 66 Jahren und 8 Monaten. Die AHV wäre so zusammen mit einigen weiteren kleineren Anpassungen auf Jahrzehnte hin saniert.

Doch wenn die Bevölkerung länger arbeiten soll, müssen auch Arbeitsplätze für ältere Personen vorhanden sein. Wie schaffen wir das? Mit folgenden zwei Massnahmen: Erstens müssen die Abzüge für Pensionskassen für alle gleich hoch sein. Heute zahlt der Arbeitgeber für eine junge Person keine Beiträge und für eine über-55-jährige 9 Prozent des Lohns – völlig logisch stellt er dann den Jungen ein.

Zweitens sollte längeres Arbeiten aktiv gefördert werden – und zwar mit Steuererleichterungen für Über-65-Jährige. Wer sich entscheidet, ein Jahr länger zu arbeiten, sollte beispielsweise nur die Hälfte des Einkommens versteuern müssen. Länger zu arbeiten wird so attraktiver. Die eigene Rente kann aufgebessert und die Sozialwerke saniert werden, da länger einbezahlt wird. Eine Win-Win-Situation für die ganze Schweiz!

(erschienen in der Andelfinger Zeitung am 28.08.18)

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